Weniger „sensible Informationen“ an Österreichs Nachrichtendienste?

Ein Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 19. Jänner 2018 hat viel Aufsehen erregt. Demnach habe sich Bundeskanzlerin Angela Merkel beim kurz davor erfolgten Besuch von Sebastian Kurz in Berlin besorgt darüber geäußert, „dass die FPÖ mit dem Innen-, Verteidigungs- und dem Außenministerium Schlüsselressorts besetze, an die im Zuge des Austausches der Dienste sensible Informationen geleitet würden“. Erkenntnisse könnten nach Moskau gelangen, „die es den dortigen Nachrichtendiensten ermöglichten, Rückschlüsse auf die Quellen westlicher Dienste zu ziehen. Wien müsse daher darauf vorbereitet sein, dass westliche Dienste nicht mehr in gleichem Maße Informationen teilen würden.“ 

Wie ist das zu bewerten?

Weiterlesen „Weniger „sensible Informationen“ an Österreichs Nachrichtendienste?“

Raketen gegen Israel: Zur Rolle von Österreichern im ägyptischen Rüstungsprogramm & der Operation Damokles

Wien, Ende Oktober 1962: In der israelischen Botschaft wird ein Unbekannter vorstellig. Er will sofort mit einem hochrangigen Diplomaten sprechen: „Mein Name ist Otto Joklik und ich kann ihnen Informationen über die Arbeit geben, die ich für ägyptische Militärprojekte gemacht habe.“ Was Joklik dann erzählt, wird Schockwellen rund um den Globus aussenden. Eine teuflische Verschwörung sei im Gange, um Israel auszulöschen: Schon bald befände sich Tel Aviv in Reichweite ägyptischer Mittelstreckenraketen, deren Gefechtsköpfe mit radioaktivem Abfall gefüllt seien.

Jokliks Angaben bestätigen die schlimmsten Befürchtungen des Mossad. Der israelische Geheimdienst verfolgt das Rüstungsprogramm des ägyptischen Präsidenten Nasser seit längerem mit Besorgnis. Denn es wird von deutschen und österreichischen Wissenschaftler und Technikern vorangetrieben, die schon für das Dritte Reich gearbeitet haben. Offenbar soll nun im Verbund mit Nasser die „Endlösung“ verwirklicht werden.

Weiterlesen „Raketen gegen Israel: Zur Rolle von Österreichern im ägyptischen Rüstungsprogramm & der Operation Damokles“

Menschenraub bei der Votivkirche

Vor 42 Jahren verschwand ein sowjetischer Überläufer vor der Votivkirche in Wien und wurde nicht mehr gesehen. Nicholas George Shadrin war dem KGB in die Falle gegangen. Offiziell ist der Fall bis heute ungeklärt. Und er verdeutlicht, dass Wien keineswegs eine „gemütliche“ Stadt der Spione war – sondern, dass der Kalte Krieg gerade auch hier mit aller Härte und Verschlagenheit ausgetragen wurde. Nicht umsonst sollen Ost-Spitzel in den Reihen des österreichischen Sicherheitsapparats in das Verschwinden von Shadrin involviert gewesen sein.

Weiterlesen „Menschenraub bei der Votivkirche“

Vom Patronenkönig & der „schönsten Frau der Welt“

Eine TV-Serie und ein Dokumentarfilm beschäftigen sich mit Hedy Lamarr, der legendären Filmdiva aus Wien. Schillernd war aber auch ihr erster Ehemann, der österreichische Waffenhändler Fritz Mandl. Heuer ist es 40 Jahre her, dass der „Patronenkönig“ 77jährig gestorben ist. Seine Biografie ist die unglaublich anmutende Geschichte eines Machtmenschen und skrupellosen Geschäftsmanns. Mandl war tief verstrickt in die allmähliche Aushöhlung und Zerstörung der 1. Republik, aber auch in die Aufrüstung faschistischer Machthaber in Italien, Ungarn und Agentinnen. Und neue Dokumente zeigen: Mandl, laut NS-Diktion „Halbjude“, war eine fixe Größe im Spinnennetz der Ultrarechten – was abstruse Gerüchte befeuert, er wäre Fluchthelfer für Adolf Hitler gewesen.

Weiterlesen „Vom Patronenkönig & der „schönsten Frau der Welt““

„Die Angst der Reichen“: Der vergessene Entführungsfall Böhm vor 40 Jahren

Nur wenige Wochen nach der Palmers-Entführung wurde Österreich von einem ganz ähnlichen Verbrechen erschüttert. Am Montag, 12. Dezember 1977, erhielt der Inhaber der Textilkette „Schöps“, Leopold Böhm (1922-2007), auf einer Geschäftsreise in Italien einen Anruf des Wiener Polizeipräsidenten Karl Reidinger: „Ihre Frau ist entführt worden.“ 40 Jahre später ist die Böhm-Entführung in Vergessenheit geraten. Dabei handelte es sich um einen Wendepunkt in der Entwicklung der inneren Sicherheit in Österreich.

Weiterlesen „„Die Angst der Reichen“: Der vergessene Entführungsfall Böhm vor 40 Jahren“

Dr. Bull, die Superkanone & das „Projekt Babylon“

1990 erregt ein spektakulärer Mordfall weltweite Aufmerksamkeit: In Brüssel wird der kanadische Ingenieur und Waffenhändler Gerald Bull erschossen aufgefunden. Zuletzt hatte Bull an dem aberwitzig anmutenden „Projekt Babylon“ gearbeitet – nämlich den Irak mit einer „Superkanone“ aufzurüsten. Davor hatte Bull auch das Design eben jener Noricum-Haubitze verkauft, die Ende der 1980er Jahre zum Dreh- und Angelpunkt eines der schwersten Politskandale in Österreich wurde. Nun tauchte Bulls Name in den „Paradise Papers“ (http://bit.ly/2AJoPYrauf. Ein guter Anlass, sich diesen „Lord of War“ in Erinnerung zu rufen.

Weiterlesen „Dr. Bull, die Superkanone & das „Projekt Babylon““

„Wenn’s aus is, ist’s halt aus“ : Zur Palmers-Entführung vor 40 Jahren

Am 9. November 1977 wurde Walter Michael Palmers, einer der wichtigsten Textilindustriellen Österreichs, von Angehörigen der Bewegung 2. Juni auf offener Straße in Wien entführt und vier Tage lang gefangen gehalten. Der aus der Bundesrepublik Deutschland (BRD) stammenden linksterroristischen Gruppe ging es um „Geldbeschaffung“ für den Wiederaufbau ihrer Strukturen. Die österreichischen Studenten Thomas Gratt, Othmar Keplinger und Reinhard Pitsch  leisteten Unterstützung, wobei nur Gratt voll integriert wurde. Es gelang, ein Lösegeld von rund 31 Millionen Schilling zu erpressen. Danach konnten sich die Mitglieder der Bewegung 2. Juni  absetzen, während die österreichischen Mithelfer festgenommen wurden. All das ereignete sich kurz nach dem „Deutschen Herbst“ , dem symbolischen Höhepunkt des Linksterrorismus in der BRD, was kurzfristig Befürchtungen nährte, die Gewalt sei auf Österreich übergesprungen.

Weiterlesen „„Wenn’s aus is, ist’s halt aus“ : Zur Palmers-Entführung vor 40 Jahren“