Jörg Haider in den Stasi-Akten: Die „Wende“ kam dazwischen

Gerade einmal zehn Seiten fanden sich in der Stasi-Unterlagenbehörde (BStU) zu Jörg Haider. Zunächst einmal handelt es sich um die Erfassung des damals aufstrebenden Jung-Politikers in der Zentralen Personendatenbank (ZPDB), dem wichtigsten Datenbankprojekt des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). 1981 in Betrieb genommen, waren in der ZPDB bis zur „Wende“ 1989 Datensätze zu 1,32 Millionen Menschen gespeichert. Daten und Datenträger wurden aber im März 1990 vernichtet. Deshalb gibt es zu Haider nur den Erfassungsbeleg. Demnach wurde seine Personalie am 12. September 1989, also nur knapp zwei Monate vor dem Mauerfall, eingespeist – samt Tätigkeitsbezeichnung „Landeshauptmann bzw. Ministerpräsident Land Kärnten u. Bundesvorsitzender FPÖ“.

Aus den „ergänzenden Erfassungsangaben“ geht hervor, dass an Quellen zu Haider „westliche Massenmedien“ zur Verfügung standen. Und schließlich findet sich noch die Karteikarte zu Haider aus der Zentralen Materialablage (ZMA). Dort wird angeführt:

„Seit 1986 Bundesvorsitzender der rechtslastigen Partei ‚Freiheitliche Partei Österreichs‘ (FPÖ). Nach den Landtagswahlen im April 1989 wurde H. Landeshauptmann (Ministerpräsident) des Landes Kärnten gewählt.“

Gut möglich, dass es mehr Material zu Haider gab. Aber die Akten der für Auslandsspionage zuständigen Hauptverwaltung Aufklärung des MfS wurden fast vollständig geschreddert.

Das Geiseldrama von Marchegg & die bislang unbekannte Rolle der Stasi

Vor 44 Jahren wurden russische Juden am Grenzbahnhof Marchegg von palästinensischen Terroristen als Geiseln genommen. Es war eine der schwersten Krisen in der Geschichte der 2. Republik. So viel ist bekannt. Neue Dokumente zeigen: Ausgerechnet das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) durchkreuzte zufälligerweise noch weitergehende Pläne der Terroristen. Zwei von ihnen wurden „abgefangen“. Womit deutlich wird: Das angeblich symbiotische Verhältnis zwischen Ostblock-Staaten und dem „internationalen Terrorismus“ war wesentlich komplizierter.
Weiterlesen „Das Geiseldrama von Marchegg & die bislang unbekannte Rolle der Stasi“

Interview mit Werner Stiller, 2013

2013 hatte ich Gelegenheit, ein Gespräch mit Werner Stiller in Budapest zu führen. Thema war der Technologieschmuggel über Österreich in den Ostblock während des Kalten Krieges. Das Interview wurde im Rahmen eines Artikels für das Journal for Intelligence, Security and Propaganda Studies veröffentlicht. Stiller hatte 1979 erste Hinweise auf die Tätigkeit eines besonders aktiven Schmugglerrings in Wien geliefert. Involviert waren damals Rudolf Proksch, später bekannt durch die Lucona-Affäre, sowie der Besitzer des Gutruf, Rudi Wein. Stiller ging auch davon aus, dass Proksch ein Agent der Stasi gewesen sei – hatte dafür aber keinen Beleg.

Interview

Gesamter Artikel:

Die Wiener Residentur der Stasi