„Take us to Smolka’s!“: Die Spionagegeschichte hinter „Der dritte Mann“

Vor 70 Jahren wurde in Wien ein Film gedreht, der wie kein anderer sinnbildlich für Spionage steht: „Der dritte Mann“. Doch dieses Thema kommt darin gar nicht vor. Erzählt wird eine Krimi-Geschichte, die Jagd auf einen Schwarzmarkt-Ring. Und dennoch ist „Der dritte Mann“ untrennbar mit der Schattenwelt der Geheimdienste verbunden. Das hängt zunächst mit dem Schauplatz zusammen: Dem zerbombten Wien des frühen Kalten Kriegs. Kaum reflektiert wird dagegen, dass es in der Entstehungsgeschichte des Films nur so von Geheimdienstlern wimmelt: vom Produzenten (Alexander Korda), über den Autor der Romanvorlage (Graham Greene) bis hin zum realen Vorbild der Hauptfigur „Harry Lime“ (Kim Philby). Noch dichter war es hinter den Kulissen, wo eine frühere US-Agentin als Assistentin und ein mutmaßlicher KGB-Agent als Stichwortgeber agierten. Hinter „Der dritte Mann“ verbirgt sich eine Spionagegeschichte rund um Verrat und menschliche Abgründe.

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„Ein guter Ort für die Arbeit“ : Russische Spionage in Österreich

Ein längst pensionierter Salzburger Offizier, der zuletzt im Bundesministerium für Landesverteidigung gearbeitet hat, soll seit den 1990er Jahren Informationen an Russland geliefert haben. Konkret kommt hier die Hauptverwaltung Aufklärung in Betracht, mittlerweile unter ihrer Abkürzung GRU weltbekannt. Die kolportierte Summe von 300.000 Euro ist ein Indikator dafür, wie brisant der Verrat war. Nur zum Vergleich: Der CIA-Maulwurf Aldrich Ames, der zahllose Quellen ans Messer lieferte, kassierte 4,5 Millionen Dollar. Da  mutet der „moderne Redl“ auf den ersten Blick vergleichsweise harmlos an. Allerdings soll der geständige Oberst M. neben NATO-Informationen auch Persönlichkeitsprofile höherer Offiziere weitergegeben haben. Damit hat die GRU Ansatzpunkte für „Anbahnungen“ in der Hand – also etwa Schwachstellen wie Geldsorgen oder berufliche Frustration. Mit diesem Wissen kann man potentielle Quellen unter Druck setzen oder für eine Zusammenarbeit gewinnen kann. Gewinnbringend dürfte auch die Verwendung von M. als Mitarbeiter der Luftraumsicherung sowie der Gruppe Strukturen und Organisation gewesen sein. Dieser aktuelle Spionagefall erschließt sich aber erst, wenn man diesen in den historischen Kontext einbettet.

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Als man Wien den „Schießstand“ nannte

Vor 70 Jahren tobt in Österreich ein Geheimdienstkrieg: Es finden Entführungen auf offener Straße stat und Putschgerüchte machen die Runde. 1948 befindet sich der der Kalte Krieg in Österreich in einer besonders „heißen Phase“. All das inspiriert den Filmklassiker „Der Dritte Mann“. 

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Vorbote in Sachen Skripal? So aktuell ist ein 56 Jahre alter österreichischer Spionagekrimi

Es ist zum Synonym für einen neuen Kalten Krieg geworden: Nowitschok. Nun starb eine 44jährige Britin, nachdem sie offenbar zufällig dem Nervengift ausgesetzt war – eine tödliche Hinterlassenschaft des Mordanschlags auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal am 4. März 2018. Giftmorde gehören aber seit jeher zum Standardrepertoire im Schattenkrieg der Geheimdienste. Zählt dazu auch ein spektakulärer Fall aus Österreich? Vor 56 Jahren erkrankte Bela Lapusnyik, ein Überläufer, plötzlich und war nicht mehr zu retten. Und welche Rolle spielte dabei ein gefährlicher Spitzel innerhalb der Staatspolizei – „Mr. Seven“?

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Jagd auf „Mr. Seven“

Über ein Jahrzehnt jagt die Staatspolizei einen gefährlichen „Maulwurf“ in den eigenen Reihen. Dann bietet ein Überläufer Informationen an. Würde „Mr. Seven“ nun enttarnt werden? Neue Dokumente beleuchten einen realen Agentenkrimi aus dem Kalten Krieg.

Bundeskanzler Bruno Kreisky war besorgt. Innerhalb seines engsten Kreises befinde sich ein Spion. Das war die Verständigung, die ihm der schwedische Ministerpräsident Olof Palme zukommen hatte lassen. Und noch mehr: Der Verräter arbeite für die tschechoslowakische Staatssicherheit (Štátna bezpečnosť, StB) – genauso wie der Mann, von dem die Angaben ursprünglich stammten: Jaroslaus Hladik alias Janos Hartl, Deckname „Robek“, hatte sich im Oktober 1973 den schwedischen Behörden gestellt. Polizeichef Carl Person sprach gar von einem „Spitzenagenten des Ostblock in Westeuropa“, der da übergelaufen sei. Ein solcher „Spitzenagent“ war „Robek“ freilich nicht, das sollte sich bald herausstellen. Aber seine Auskünfte in Bezug auf den früheren Einsatzort Österreich wogen schwer. Dort waren in der Vergangenheit bereits mehrere spektakuläre Spionagefälle geplatzt. Immer wieder war die StB darin verwickelt gewesen. Und in Wien wusste man nur allzu gut, dass der von „Robek“ gemeldete „Maulwurf“ tatsächlich existierte. Man nannte ihn „Mr. Seven“ – nach seiner Arbeitsadresse: Herrengasse Nr. 7, Innenministerium.

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Erschienen in: Öffentliche Sicherheit, Nr. 7-8/2017, 41-44.

 

 

„Litzi“, Kim und „Abo“

1933/34 überschnitten sich die Biografien von Alice „Litzi“ Kohlmann, Kim Philby und Peter Smolka in Wien. Was bedeutete das für den Kalten Krieg und den Filmklassiker „Der Dritte Mann“?

Es sind nur einige wenige Seiten. Wer im Archiv der Republik nach Spuren von Alice „Litzi“ Kohlmann sucht, wird nicht wirklich belohnt. Dabei handelt es sich um eine der spannendsten Figuren der österreichischen Zeitgeschichte sowie des Kalten Krieges. Die assimilierte Jüdin mit ungarischen Wurzeln hatte 1934 den „Spion des Jahrhunderts“, Kim Philby, geheiratet. Seither ranken sich viele Legenden um „Litzi“: Hat sie Philby für den KGB rekrutiert? War sie danach in der DDR für die Stasi tätig?

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Erschienen in Öffentliche Sicherheit, Nr. 7-8/16, 30 ff.

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