Was wusste Bruno Kreisky? Der österreichische Außenminister und der Konflikt in Südtirol

Man stelle sich vor: Ein amtierender Außenminister empfängt mehrmals Anführer einer Untergrundbewegung, die gerade im benachbarten Ausland Sprengstoffattentate vorbereitet – und er trifft sie keineswegs im Verborgenen, sondern in seinem Amtssitz und bei sich zuhause. Abschließend geht’s einmal in eine Gaststätte. All das hat Bruno Kreisky während des Südtirolkonflikts in den frühen 1960er Jahren getan – ausgerechnet jener Kreisky, der 1970 zum langjährigen Bundeskanzler aufrückt. Noch heute wird er vor allem wegen seiner Friedens- und Neutralitätspolitik gewürdigt. Weniger präsent sind dagegen Kreiskys Verbindungen zum Befreiungsausschuss Südtirol (BAS).

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„Keine Insel der Seligen mehr“: Das Terrorrisiko in Österreich

Am 20. Jänner 2017 wurde ein 18jähriger mit albanischem Migrationshintergrund in der Wiener Rotenhofgasse verhaftet. Er soll zwischen dem 15. und 30. Jänner einen Terroranschlag geplant haben. Bei der Hausdurchsuchung fand die Polizei Hinweise auf detailliert ausgearbeitete Pläne, wie, wo und wann der Anschlag stattfinden sollte. Als ein mögliches Ziel wurde die Wiener U-Bahn genannt. Laut Innenminister Wolfgang Sobotka zeige der Fall: „Österreich ist keine Insel der Seligen mehr.“ Wie bedroht ist Österreich nun?

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„Werwölfe”, Geheimbündler und Südtirol-„Bumser”: Die Anfänge des Rechtsterrorismus in Österreich

Die Frühphase des Rechtsterrorismus in der Zweiten Republik ist bislang kaum Gegenstand der Forschung gewesen. Daher werden im Rahmen dieses Artikels die wichtigsten Ereignisse, Organisationen und Akteure vom Ende der 1940er bis zum Ende der 1960er Jahre in chronologischer Reihenfolge aufgearbeitet – und zwar auf Basis von Primärquellen aus dem Österreichischen Staatsarchivs/Archiv der Republik. Im Fokus stehen die Anfänge des Rechtsterrors, weil sie besonders virulent und prägend für die weitere Entwicklung waren. Zahlreiche „Szenegrößen“ begannen ihr Engagement in diesen Jahren.

Spätestens ab Ende der 1940er Jahre wurden Organisationen und Strukturen etabliert, die sich auf europäischer Ebene vernetzten und lange nachwirkten. Und es kam zu ersten Anschlagserien: 1951 machte der Geheimbund „Die schwarze Schnur“ auf sich aufmerksam, 1955 flog die selbsternannte antikommunistische Partisanengruppe „SSV Kuenring“ auf, bevor sie Aktionen durchführen konnte. Den Höhepunkt bildete eine Welle von Anschlägen im Jahr 1961. Nur durch Zufall waren keine Opfer zu beklagen. Dafür wurden einige der zentralen Symbole der jungen Nachkriegsdemokratie getroffen: Mehrmals die Rückfront des Parlaments und das Republikdenkmal.

Mehr lesen: Journal for Intelligence, Propaganda and Security Studies, Vol. 10 NR. 2/2016, 81-118.

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Fritz Buchta und die „Schwarze Schnur“

1951 gründete ein Gruppe Wiener Jugendlicher nach dem Vorbild der HJ den Geheimbund „Schwarze Schnur“. Schon bald ging man dazu über, Anschläge zu unternehmen: Gegen Lokale der KPÖ und antifaschistische Filmvorführungen. Auch war geplant, im Kriegsfall zwischen Ost und West in den Partisanenkampf überzugehen. Treibende Kraft war der damals 17jährige Sprengstoffbastler Fritz Buchta, der noch 1958 in einen ungewöhnlichen Raubmord verwickelt werden sollte.

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„Pflicht, zu helfen“: Zur Rolle der extremen Rechte im Südtirol-Terrorismus

Der Ende der 1950er Jahre gegründete Befreiungsausschuss Südtirol (BAS) hatte sich der Forderung nach Selbstbestimmung verschrieben. Um die Öffentlichkeit auf die Diskriminierung der deutschsprachigen Minderheit in Italien aufmerksam zu machen, verübte der BAS ab Anfang 1961 „demonstrative“ Bombenanschläge. Im „Hinterland“ Österreich wurde der „Südtiroler Freiheitskampf“ bald von deutschnationaler und rechtsextremer Seite aktiv unterstützt. Deutsche und österreichische Burschenschaftler verübten einige der ersten gegen Zivilisten gerichteten Attentate. Darüber hinaus waren sie international vernetzt – das legen neue Dokumente aus dem Wiener Staatsarchiv offen.

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„Partisanenspiele“ oder mehr? Die vergessene Geschichte des „SSV Kuenring“

Ende April 1959 flog die selbsternannte antikommunistische Partisanengruppe „SSV Kuenring“ auf, bevor sie Aktionen durchführen konnte. Unter Anleitung eines Zugführers des Bundesheers hatten die durchwegs „national“ gesinnten Jugendlichen die Sprengung von Wiener Donaubrücken geplant und paramilitärische Übungen abgehalten. Angeblich diente dies zur Vorbereitung auf eine mögliche Invasion der Roten Armee. Aber es gab auch Hinweise auf andere Hintergründe. Das ergeben neue Recherchen zur Frühphase des österreichischen Rechtsterrorismus, die gegen Jahresende veröffentlicht werden.

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