Die Entführung des „Strumpfkönigs“: Der Fall Palmers & ein „Hauch von RAF“ in Österreich

Vor 40 Jahren, im Herbst 1977, verschleppten Terroristen den Industriellen Walter Palmers. Vier Tage lang hielt das Land den Atem an. Anhand von Ermittlungsakten und Zeitzeugeninterviews lässt sich das Gesehen rekonstruieren.

Es geht alles ganz schnell an diesem verregneten Novemberabend: Der 74-jährige Walter Michael Palmers hat gerade seinen VW Golf vor der Villa in der Währinger Hockegasse geparkt. Als er absperren will, wird er von allen Seiten gepackt: „Ich wollte Hilfe rufen, aber ich habe nur mehr ‚Hi…‘ herausgebracht, dann wurde mir der Mund zugehalten“.

Die maskierten Kidnapper setzten ihrem Opfer eine schwarz lackierte Skibrille auf und hieven Palmers auf den Rücksitz eines Peugeots. Kurze Zeit später steigen sie mit ihm in einen VW-Kastenwagen um. Nach „etwa 15 oder 20 Minuten“ Fahrt halten sie erneut. Sie wickeln Palmers in eine Matratze ein, zwei Personen tragen ihn schräg abwärts. Jemand betätigt einen Rollbalken.

Als Palmers die Brille abnimmt, findet er sich in einem Raum wieder, in dem sich ein 1,30 mal 2,30 Meter großer Verschlag befindet – darin eine Campingliege, ein Bestelltisch und ein Kübel für die Notdurft. Die Entführer nennen es „Volksgefängnis“. Fast 100 Stunden muss Palmers hier ausharren.

Erschienen in: Vice Austria, 3. 9. 2017

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„Schwarzer September“: Der Terrorismus der 1970er Jahre und das Münchner Olympia-Attentat

Vor 45 Jahren, am 5. September 1972, überfielen acht schwer bewaffnete „Fedajin“ (Märtyrer) das Quartier der israelischen Mannschaft im Olympischen Dorf und nahmen elf Geiseln. Zwei der Sportler wurden im Handgemenge ermordet. Die laxen Sicherheitsbestimmungen der „heiteren Spiele“ hatten es den Palästinensern leicht gemacht. Spätabends scheiterte ein dilettantischer Befreiungsversuch der bayrischen Polizei: Am Ende der stundenlangen, chaotischen Schießerei waren neun Geiseln, fünf Terroristen und ein Polizist tot.

Das Münchner Olympia-Attentat war eine Wegscheide in der Entwicklung des modernen Terrorismus. Zuvor hatten nationale Bezüge vorgeherrscht. Man denke an den Nordirland-Konflikt oder das Baskenland. Die Münchner Geiselnahme dagegen wurde transnational vorbereitet und durchgeführt – mit der Intention, weltweite mediale Aufmerksamkeit auf das sogenannte „Palästinenserproblem“ zu lenken. Dabei war die verantwortliche Organisation „Schwarzer September“ mit Akteuren außerhalb des Nahen Ostens verbunden. Unter letzteren sollen sich nicht nur westdeutsche Linksextremisten, sondern auch Neo-Nazis befunden haben.

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Nach Manchester: Wie ist es um die Terrorgefahr in Österreich bestellt?

Für Österreich bedeutet der radikal-islamistische Terrorismus eine große Herausforderung. Und dass obwohl das Land bereits in der Vergangenheit mehrfach Schauplatz terroristischer Gewalt gewesen ist. Die neue Bedrohung passt aber nicht in bekannte Muster. Von daher greift jene Sicherheitsdoktrin nicht mehr, mit der man in den Jahrzehnten davor die Gefahr eindämmte. Aktuell zeigt sich: Der Terrorismus rückt heran, es gibt erste konkrete Drohungen und verfestigte radikale Milieus im Inland. Dementsprechend steht der heimische Antiterrorapparat vor großen Umwälzungen: Das Bundesheer beansprucht eine größere Rolle, während das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) expandiert und die früher passive Haltung aufgibt. Vor allem aber ist es an der Zeit, sich von lange gehegten Gewissheiten zu verabschieden.

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„Wiener Club“: Der Aufbau von Antiterror-Strukturen in Österreich

Der Aufbau von Antiterror-Strukturen in Österreich war ein langwieriger Prozess. Der Durchbruch kam erst Ende der 1970er Jahre. Und mit dem Wiener Club wurde ein internationales Gremium zur Terrorbekämpfung gegründet, das heute in Vergessenheit geraten ist.

Erschienen in: Öffentliche Sicherheit, Nr. 2/2017, 47-51.

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Eine Nestroysche Posse: Carlos und die österreichische Justiz

Ilich Ramirez Sanchez, genannt Carlos der Schakal, steht in Frankreich zum dritten Mal vor Gericht. Es geht um einen Anschlag in Paris von 1974. Aber wegen seines größten Coups musste sich Carlos nie verantworten: Der Geiselnahme der Erdölminister in Wien 1975. Lediglich zwei Mitglieder des damaligen Terrorkommandos wurden in der BRD vor Gericht gestellt. In Österreich dagegen wurde kein einziger Fall verhandelt. Warum das so ist und welche Rolle dabei die schon fast legendäre österreichische Pragmatik spielt, diesen Fragen bin ich im Rahmen meines Buch „Die OPEC-Geislnahme 1975 und der moderne Terrorismus“ nachgegangen. Anbei ein Auszug.

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Was wusste Bruno Kreisky? Der österreichische Außenminister und der Konflikt in Südtirol

Man stelle sich vor: Ein amtierender Außenminister empfängt mehrmals Anführer einer Untergrundbewegung, die gerade im benachbarten Ausland Sprengstoffattentate vorbereitet – und er trifft sie keineswegs im Verborgenen, sondern in seinem Amtssitz und bei sich zuhause. Abschließend geht’s einmal in eine Gaststätte. All das hat Bruno Kreisky während des Südtirolkonflikts in den frühen 1960er Jahren getan – ausgerechnet jener Kreisky, der 1970 zum langjährigen Bundeskanzler aufrückt. Noch heute wird er vor allem wegen seiner Friedens- und Neutralitätspolitik gewürdigt. Weniger präsent sind dagegen Kreiskys Verbindungen zum Befreiungsausschuss Südtirol (BAS).

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„Werwölfe”, Geheimbündler und Südtirol-„Bumser”: Die Anfänge des Rechtsterrorismus in Österreich

Die Frühphase des Rechtsterrorismus in der Zweiten Republik ist bislang kaum Gegenstand der Forschung gewesen. Daher werden im Rahmen dieses Artikels die wichtigsten Ereignisse, Organisationen und Akteure vom Ende der 1940er bis zum Ende der 1960er Jahre in chronologischer Reihenfolge aufgearbeitet – und zwar auf Basis von Primärquellen aus dem Österreichischen Staatsarchivs/Archiv der Republik. Im Fokus stehen die Anfänge des Rechtsterrors, weil sie besonders virulent und prägend für die weitere Entwicklung waren. Zahlreiche „Szenegrößen“ begannen ihr Engagement in diesen Jahren.

Spätestens ab Ende der 1940er Jahre wurden Organisationen und Strukturen etabliert, die sich auf europäischer Ebene vernetzten und lange nachwirkten. Und es kam zu ersten Anschlagserien: 1951 machte der Geheimbund „Die schwarze Schnur“ auf sich aufmerksam, 1955 flog die selbsternannte antikommunistische Partisanengruppe „SSV Kuenring“ auf, bevor sie Aktionen durchführen konnte. Den Höhepunkt bildete eine Welle von Anschlägen im Jahr 1961. Nur durch Zufall waren keine Opfer zu beklagen. Dafür wurden einige der zentralen Symbole der jungen Nachkriegsdemokratie getroffen: Mehrmals die Rückfront des Parlaments und das Republikdenkmal.

Mehr lesen: Journal for Intelligence, Propaganda and Security Studies, Vol. 10 NR. 2/2016, 81-118.

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